Fachwerkstadt Schmalkalden

Die kleine Stadt Schmalkalden wurde wieder wunderhübsch bunt restauriert.

Wie eine kleine verspielte Lego-Stadt wirkt das Städtchen Schmalkalden in Thüringen, südlich von Eisenach. Die von Fachwerkhäusern geprägte Stadt verleiht ihr einen ruhigen und verträumten Charme. Hübsche Details wie z.B bemalte kleine Holzbalken, die wie Fachwerkhäuser in Miniatur aussehen, oder alte Schilder oder mittelalterliche Elemente an Häusern, findet man überall verteilt. Dass Schmalkalden im Mittelalter mal zu Hessen gehörte, wissen sicher die wenigsten. Ein kleines Erinnerungsstück ist der Hessenhof am Neumarkt.

Beim Schlendern durch die Innenstadt, insbesondere der Fußgängerzone, fällt mir auf, wie angenehm breit die Straßen angelegt sind. Die große spätgotische Georgenkirche (1437-1509) am Altmarkt sehe ich schon von weitem. Ins Auge fallen weitere beachtenswerte Fachwerkhäuser rund um den Altmarkt, wie das Gebäude der Post, die Reformierte Schule, das Evangelische Dekanat und das Rathaus. Auch in Schmalkalden begibt man sich unweigerlich auf die Spuren von Martin Luther. Dieser hat während des “Großen Konvents” 1537 in der Georgenkirche gepredigt.

Der geschichtliche Hintergrund: im Jahre 1530 verbündeten sich die protestantischen Fürsten zum Schmalkaldischen Bund gegen den katholischen Kaiser Karl V., der in der Stadt Schmalkalden einen Ort der Ketzerei sah. Martin Luther verfasste während der wichtigsten Tagung dieses Bundes 1537 das Programm der Fürsten (“Schmalkaldische Artikel”), und zwar nur einige Schritte von der Kirche entfernt auf dem damals benannten Töpfermarkt, der heute Lutherplatz heißt. Dort befindet sich auch das Luther-Haus, in dem er damals wohnte. Es kam dann zum sog. Schmalkaldischen Krieg, in dem die Fürsten sieben Jahre später dem Kaiser unterlagen.

Ich biege in die kleine Webergasse ein, die ein bisschen mittelalterlichen Klosterflair behalten hat und gehe dann links weiter über Mönchsgasse zum Schmiedhof. Dieses kleine Gassenviertel wirkt noch so richtig urtümlich. Wenige Schritte weiter schlendere ich die hübsche Weidebrunner Gasse mit ihren herrlich restaurierten Fachwerkhäusern entlang bis zur Kementate, dem wohl prächtigsten Bürgerhaus Schmalkaldens aus dem 15. Jhd. Unterwegs fällt mein Blick auf ein “Selfie-Point-Zeichen” auf dem Bürgersteig. Ich frage mich, warum man gerade hier ein Selfie machen sollte, und als ich mich in Position begebe, erkenne ich ein Stück hinter mir eine bemalte Hauswand mit einem Wandbild, welches “Die Wichtigsten Köpfe der Stadt” oder auch die “Köpfe der Reformation” zeigt: Martin Bucer, Philipp von Hessen, Johann Friedrich von Sachsen, Philipp Melanchton, Johannes von Bugenhagen und Martin Luther.

Ich ziehe einen Kreis bis zur alten Stadtmauer und weiter, wo ich Häuser entdecke, die noch unsaniert grau verputzt sind und teilweise ziemlich trostlos und mitgenommen aussehen. Sie vermitteln mir einen kleinen Eindruck, wie dieser niedliche Ort zu Zeiten der DDR ausgesehen haben muss.

Zurück in der Innenstadt biege ich vom Lutherplatz in eine unscheinbare Gasse ein, die zum Schloss Wilhelmsburg hoch führt. Ein Schloss stelle ich mir immer groß und hoch vor, mit vielen Türmchen und Erkern. Dieses Schloss wirkt von außen eher wie ein Herrenhaus, was auch nicht ganz verkehrt ist, da es “nur” die Sommerresidenz für den Landgrafen von Hessen, Wilhelm IV., war. Als ich dann in den Innenhof gehe, sieht die Sache schon anders aus, nämlich größer und mit dem Steinbau auch mehr wie ein Schloss. Im Schloss befindet sich heute ein Museum, das etwas zum Thema Geschichte als auch zur regionalen Eisenindustrie zeigt. (Bei meinem Besuch im Sommer 2020 herrschte noch Corona und die damit verbundenen Einschränkungen und Vorschriften, sodass ich es vorzog, das schöne Wetter draußen zu genießen, als mit Maske durch das Schloss zu gehen.) Die Aussicht vom Schloss ist sehr sehenswert: vorn blickt man über den hübsch angelegten Garten in Form einer Terrassen-Anlage, auf dem hinterem Platz kann man über einen Teil der Stadt Schmalkalden bis in den umliegenden Thüringer Wald blicken.

Web-Links:

http://www.schmalkalden.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Schmalkalden

https://www.thueringen.info/schmalkalden.html

https://www.thueringen-entdecken.de/urlaub-hotel-reisen/schmalkalden-102467.html

https://selfie-points.de/

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