free Hongkong

Ich war eigentlich in Taiwan im Urlaub, nutzte aber die Nähe und Gelegenheit, mit dem Flieger nach Hongkong ‘rüber zu hoppeln und mir zum einen die Stadt anzusehen, Wanderungen in der schönen Natur drumherum zu machen (siehe mein kommender Beitrag Wanderungen in der Umgebung von Hongkong) und auch den Stand der Dinge der Protestwelle #freehongkong mit eigenen Augen zu sehen, selbst zu erleben. In unseren Medien wird so gut wie gar nicht darüber berichtet, obwohl in Hongkong jeden Tag (!!!) Menschen auf die Straßen gehen, um für bleibende Freiheit einzustehen.

Ich bin mit sehr vielen Menschen in Kontakt gekommen, habe hochgradig interessante Gespräche geführt, die mir viel Hintergrundinformationen gebracht haben, und schließlich bin ich direkt ins nächtliche Protestgeschehen. Und ja, ich war live dabei, ich kann durchaus beurteilen, was abgegangen ist, ich habe es selbst gesehen und erlebt. Und es hat mich sehr mitgenommen!

Der Ruf nach Freiheit hallt schon länger durch Hong Kong. Die Menschen haben mit friedlichen, öffentlich genehmigten Demonstrationen ihren Willen nach bleibender Freiheit zum Ausdruck gebracht. Nachdem der friedliche Weg nichts gebracht hat, scheint eine Eskalation nicht mehr fern. Die Polizei setzt Tränengas und Wasserwerfer ein, geht brutal gegen die Demonstranten vor und hat Undercover unter die Demonstranten verteilt, die durch Gewaltakte gegen die Polizei genau jene schwarz gekleideten Revolutionäre in Verruf bringen sollen. Und last but not least verschwinden jungen Menschen (vornehmlich Frauen), junge Protestler wurde von Hochhäusern geworfen, ganze Familien sind “plötzlich verschwunden”. Die Studenten an der Polytechnischen Universität wurden in der Uni festgehlaten, wer fliehen wollte, wurde verprügelt und verhaftet. Auch deutsche Studenten waren nicht verschont (ich kenne ihren aktuellen Verbleib nicht). Ich selbst hatte Glück, ein “Verweis” eines Polizisten ließ mich mit einem blauen Auge davon kommen, und das, obwohl ich an diesem Abend weitab vom hotspot weit im Hintergrund einfach nur die Barrikaden auf der Straße fotografierte.

Ich habe nicht immer mit der Kamera fotografieren können, zu brenzlig und angespannt war das Geschehen, und ohne Presse-Weste eh keine Chance, “unbeschadet” die krassen Momente festzuhalten. Dennoch stelle ich hier mal ein paar meiner Bilder ein, und dabei geht es mir nicht um “professionelle” Fotos, sondern ausschließlich das Zeigen von Ausschnitten der Realität, die uns die Medien hier vorenthält. Interessant dabei: in einer MTR-Station hängen Plakate mit dem zeitlich chronologischen ablauf der Ereignisse. Auch diese zeige ich hier einfach mal unkommentiert. Sie sprechen für sich.

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4 Gedanken zu „free Hongkong

    • 04/12/2019 um 18:31
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      Hallo Karel, es ist leider sehr schrecklich, die Polizei geht brutal gegen die Demonstranten und sogar harmlose Zivilisten vor!!

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  • 17/12/2019 um 15:11
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    Hallo Frauke, vielen Dank für Deinen Bericht aus erster Hand.
    Erstaunlicherweise findet dieses brisante Thema kaum Beachtung in den Medien.
    Umso wichtiger sind solche Beiträge, wie der von Dir!
    Eines dürfte die Geschichte gelehrt haben: der Freiheitsdrang lässt sich auf Dauer niemals unterdrücken – das man in China leider immer noch auf Waffengewalt setzt, statt auf Dialog, ist ja nicht erst seit 1989 (und den Geschehnissen auf dem Platz des Himmlischen Friedens) bekannt.
    Um so dankbarer müssen wir Deutschen sein, das uns dieses (durchaus von den damals Herrschenden) geplante Szenario erspart geblieben ist!

    Antwort
    • 22/12/2019 um 10:33
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      Hallo Frank, absolut richtig, ich glaube den wenigsten Menschen ist bewusst, wie entspannt wir hier in Deutschland (bisher noch) leben. Mir ist zB auf dem Weg durch meine Stadt aufgefallen, dass es (noch) relativ wenig Kameras an Straßenecken oder Ampeln, Schildern o.ä gibt. In Hongkong (und bisher eigntl allen Städten in Asien wo ich war), sind an jeder Straßenecke Kameras!! Vor Straßen, in Straßen, vor Läden, an Gebäuden, einfach überall! Hier gehe ich teilweise lange Strecken ungefilmt,….dort nicht möglich. Soviel zum Thema Privatleben oder Staatskontrolle.
      Die Chinesen sind, was Kontrollzwang und Angst vor Machtverlust angeht, nicht ganz frisch im Kopf. Und die damit einhergehenden grausamen Gewalttaten seitens Polizei sind, wie Du schon sagst, jedem bekannt. Dass unsere Medien diese Brisanz unter den Teppich kehren, grenzt für mich allerdings schon an Ver…schung und bewusster Massenbeeinflussung durch gezieltes Vollsülzen mit anderen Dingen. Mir kommt es so vor, als werden solche Berichte bewusst von uns fern gehalten, damit wir nicht sehen, wie stark andere Völker aufbegehren, damit wir nicht auf dumme Gedanken kommen. Dabei bräuchte man gar nicht so weit in die Ferne zu schauen, Frankreich ist doch nebenan ein gutes Beispiel für die Kraft der Bevölkerung. A propos… von den Gelbwesten wird au h nicht mehr berichtet, obwohl dort immer noch Zwist herrscht. Interessant, ne? 😉
      Lieben Grüße, Frauke

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