Wanderung um die Saaleschleife

Rund um die Saaleschleife führt ein schöner Wanderweg

“Wie kann ein Fluss eine 180°-Wende machen?!”, fragte ich mich immer, wenn ich Bilder von der Saaleschleife sah und suchte nach Möglichkeiten, den Schleifenknick des Flusses mit eigenen Augen anzusehen. Die Wandertour, die ich mir daraufhin herausgesucht habe, bietet gleich drei Mal tolle Aussichtspunkte mit beeindruckendem Blick auf die Saale-Schleife.

Mein Plan sieht vor, die Wandertour von dem kleinen Örtchen Paska aus zur Saaleschleife zu starten. Da ich gerade in Saalfeld bin, fahre ich mit dem Auto die B85 über Obernitz und Kaulsdorf ‘runter bis zur Staumauer Hohenwarte. Der Anblick ist im wahrsten Sinne des Wortes mächtig! Eine Staumauer habe ich noch nie direkt aus der Nähe gesehen, also halte ich einfach auf der Straße an. Das geht in diesem Fall, da die Weiterfahrt geradeaus durch eine Straßensperrung eh nicht möglich ist. Somit kann ich auch nicht oberhalb der Saale bis Paska fahren, sondern muss umdisponieren und über die Staumauer hinüber unterhalb der Saale über Hockeroda, dann westlich nach Drognitz und bis Altenbeuthen weiter gondeln. Hinter Altenbeuthen setzt die Autofähre (Mühlenfähre) Altenroth-Linkemühle ans gegenüberliegende Ufer. Die Strecke ist zum Glück gut ausgeschildert. Ich finde den kleinen Umweg sogar sehr gut, denn mit einer Autofähre bin ich bisher noch nie gefahren – umso schöner, diese Erfahrung gleich mitmachen zu können.

Am anderen Ufer angekommen führt eine Waldstraße nach Paska. Das kleine, verschlafene Dorf ist eigentlich nicht viel mehr als eine handvoll versprengter Häuser mit einer Dorfkirche. Kein Supermarkt, keine Tankstelle, immerhin ein Bus verkehrt. Ich habe mich mit genügend Wasserflaschen eingedeckt, und das war gut so. Zum einen brennt die Sonne mit über 30°C, zum anderen braucht man schon von Paska über den Feldweg bis zum Startpunkt des Wanderweges an der Saale ca 15-20 Min.

Voller aufgeregter Erwartung nehme ich als erstes den äußerst schmalen, steinigen Weg zum Fernsichtspunkt. Die Aussicht von hier oben ist herrlich! Sogar das alte, stillgelegte und lange verlassene Wasserkraftwerk Conrod kann ich unten am Ufer sehen. Als leidenschaftliche Entdeckerin von Lost Places (urbexsneeker.de) hätte ich es mir auch gern aus der Nähe angesehen, aber es wurde inzwischen von einem Münchener Privateigentümer erworben und ist nicht mehr öffentlich zugänglich. In diesem Fall ist es halb so wild, der Wanderweg ist schon waghalsig genug. Ich muss fast permanent aufpassen, wo ich hintrete. Der Weg ist sehr schmal und geprägt von dicken Steinen und Wurzeln, dazu noch ohne Geländer. Der Weg zur Teufelskanzel, dem nächsten schönen Aussichtspunkt ein paar Meter tiefer mit Sitzbank, bildet da keine Ausnahme. Ein Fehltritt würde in den unendlichen Abgrund führen. Manchmal muss ich mich tatsächlich über die Wanderwege hier in der Gegend wundern. Konzentration ist also sehr angesagt.

Diese Thüringer Gegend um Saalfeld ist, anders als z.B. die Landschaft um Eisenach, durch Schiefergebirge geprägt, was immer wieder spannende Naturbilder bereit hält. Das viele große Schiefergestein an den Hängen finde ich wirklich faszinierend und macht diese Wanderung zu einem ganz tollen Erlebnis. Ab und zu tauchen eigenartige Felsformen auf, wie die beiden allein stehenden Felsen an der Teufelskanzel.

Unten angekommen laufe ich sehr lange durch Wald in Ufernähe der Saale weiter. Ab und zu gibt es freie Stellen, wo ich einen Blick auf den schön eingebetteten Fluss werfen und ein paar Kanufahrern zuschauen kann. Dieser Teil des Wanderweges wird allerdings irgendwann ziemlich zäh, da der Waldweg matschig und etwas eintönig ist. Nach der Flusskurve werde ich dafür mit dem Blick über eine wunderschöne breite Wiesenfläche entlohnt. Kurz danach hört der Wald auf und man folgt einem geteerten Weg parallel zum Flussbett. Die Flussbett-Landschaft wirkt fast ein bisschen wie eine Flussaue. Hier spielen Familien und entspannen sich ein paar Angler. Ich gönne mir auch ein paar Minuten Pause, der Blick ist wie aus dem Bilderbuch.

Der geteerte Weg endet schließlich im Ort Ziegenrück. Gleich am Ortseingang bei der Ecke Ludwigshütte/ Paskaer Straße führt links der Wanderweg in Form eines unscheinbaren Weges hoch. Zugegeben: ohne Maps und GPS hätte ich diesen extrem schmalen Weg nicht für die Fortsetzung meines Rundwanderweges gehalten. Auch hier kann man zwischen den Bäumen sehr schöne Blicke über die Landschaft erhaschen.

In Gedanken vertieft verpasse ich die weiter hinauf führende Abzweigung und laufe geradeaus weiter, was für mich aber mal wieder eine wohlgesonnene Schicksalsfügung ist. Innerlich bereits ziemlich ausgedörrt komme ich so zur Marienquelle und kann meine Wasserflasche mit eiskaltem, aber köstlichen Naturquellwasser auffüllen. Die Marienquelle als Lebensquell. Ohne diesen Wassernachschub wäre der Rückweg bei den außergewöhnlich heißen Sommertemperaturen dieses Jahr zur Qual geworden. Außerdem ist der Weg hier wirklich steil, und bis zur Karl Rühl Hütte und meinem Startpunkt ist es noch weit. Ich brauche tatsächlich nochmal etwas über eine Stunde bis zur Rühl-Hütte und komme abgekämpft oben an. Die Weite der Aussicht über die Saaleschleife lässt mich dennoch ermattet lächeln – innerlich strahle ich, dass ich eine weitere fantastische Wanderung erlebt habe.

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