Hongkong City

Ein Städtetrip in Zeiten politischer Freiheitskämpfe

Vorweg: Hongkong wird ab jetzt (Ende 2021) nie mehr so sein, wie es mal war. Die freie Stadt, die sie sein sollte, ist sie nicht mehr. Die ausdauernden Straßenkämpfe für Freiheit schafften es nicht zu verhindern, dass sich der “chin. Riese” die Stadt entgegen aller Vereinbarungen einverleibt. Auch das pro-demokratische Online-Magazin “Stand News” sowie “CitizenNews” mussten ihre Arbeit beenden. Mehr dazu in meinem Beitrag “free hongkong”. Diese Reise hatte ich im November 2019 gemacht.

Ankunft und Unterkunft in Hongkong

Flughafen – Transfer

Im ersten Moment kommt mir der Transfer-Zug “Airport Express” vom Hongkong International “Taoyuan Airport” (der Flughafen liegt auf der Insel Lantau Island) auf das Festland etwas altbacken vor – vielleicht, weil die Kopfstützen schon etwas viel benutzt aussehen. Der Zug gleitet aber geschmeidig zu meiner ersten MRT-Station “Tsing Li Station”, wo ich umsteigen muss in die gelbe Linie der “Tung Chung Line”, die mich bis zu meinem Ziel MTR Olympic Station bringt. Das Gute an dem MRT-System in Hongkong: durch die farbig gekennzeichneten U-Bahn-Netz-Linien kommt man in der großen Stadt gut klar. Durch die fetten Ausschilderungen in den großen, weitläufigen U-Bahn-Stationen findet man sich schnell zurecht. Wobei ich das Zeichen für AIRPORT-EXPRESS in dem Mix an chinesischer und englischer Schrift nicht gleich erkannt/gesehen habe, da es deutlich unauffälliger ist als ein Straßenname. Das hätte die Stadt besser gestalten können. Das mit den großen MRT-Stationen ist dann aber auch gleichzeitig das etwas anstrengende: man läuft ewig, um von A nach B zu kommen. Ich habe es bei meiner Ankunft gleich so gemacht, dass ich mir die Zeit gemerkt habe, um von der UBahn zum Ausgang der Station zu latschen – es waren ordentliche 20 Minuten!

Die Easy-Card bzw das Journey-Ticket

Wie schon in Taiwan habe ich mir gleich am Flughafen eine Art Easy-Card gekauft. Das System ist unglaublich praktisch. An den Karten-Automaten wählt man einfach, zu welcher Station man möchte, wirft das Geld ein und erhält eine Karte, die man immer wieder mit Guthaben aufladen kann. Bei jedem Durchgang der Barrieren in der MTR wird angezeigt, wieviel Geld für die Fahrt vom Guthaben auf der Karte abgezogen wird.

Unterkunft: Meine Unterkunft, das Hotel “Rosedale Hotel Kowloon” (keine bezahlte Werbung!), liegt im Stadtviertel Kowloon und etwa 15 Gehminuten von der MTR Olympic, die über “Tsing Li Station” zum Flughafen führt, sowie ca 10 Minuten zu den MTR Mong Kok und MTR Prince Edward, von wo aus man überall hin kommt, so auch geradeaus hinunter zum Hafen bzw unter dem Ozean hindurch nach Central.

Ich finde das Hotel angenehm. Das Zimmer hat eine ausreichende Größe, ist sauber und das Bett äußerst bequem. Pfiffigerweise ist das Bad dreieckig gebaut, sodass die Glastür gleichzeitig die Badtür und Duschentür ist. Geht man ins Bad, schließt man dadurch die Dusche. Steht man unter der Dusche, ist zwar dann das Bad offen, aber das ist ja egal. Ist man mit Duschen fertig und öffnet die Glastür, schließt man nun wiederum das Bad. Finde ich witzig! Mein Zimmer war im 17. Stock (!!!). Als ich aus dem Fenster nach unten blickte, wurde mir erstmal ganz schön mulmig, aber die Aussicht ist schon sehr cool. Ich weiß nicht, ob ich es mir eingebildet habe, aber es fühlte sich so an, als ob das Gebäude ein ganz klein wenig schwankt. Naja, wenn man es ignoriert, geht’s eigentlich.

Das Buffet hat wirklich viel zu bieten: von süßen Croissants über Reis, Würstchen und Gemüse bis Obst und kleinen Kuchen. Kaffee und Tee gibt es an Automaten. Die Klimaanlage ist allerdings recht kühl eingestellt.

Meine Sehenswürdigkeiten in Hongkong

  • Rundgang durch Stadtteil Kowloon: Märkte, Stadtbild, alte Leuchtreklamen bei Nacht, Avenue of Stars Hafenpromenade (auf Festland Tsim Sha Tsui)
  • Victoria Peak = Aussicht über die Stadt
  • Victoria Harbour mit Riesenrad, das Star-Ferry-Boot am Spätabend nehmen, Hafenlichter genießen
  • Fußgänger-Straße Pottinger Street (“Stone-Slab-Street”) mit bunten Kitschkram-Läden im Central District
  • Monster Building: das Yick Cheong Building – die Filmkulisse aus “Transformer’s”
  • Tempel der 10.000 Buddha
  • Hiking-Touren = Wandern in der Natur rund um Hongkong (Sir Cecil’s Ride und Discovery Bay bis Mui Wo) (Tag 3 +5)

Ich hatte mir für meine 6 Tagen (7 Übernachtungen) ein Programm überlegt, bei dem ich abwechselnd die Stadt erkunde und eine Hiking-Tour mache. Für den Fall, dass die Beine schlapp machen, hatte ich jede Menge Café´s markiert, aber nur eins genutzt. Am Ende habe ich mir ziemlich die Beine abgelaufen, bin mit der MTR hoch und runter und quer gefahren – und trotzdem habe ich nicht alles von Hongkong gesehen und nur zwei Hiking Trails geschafft. Aber es war trotzdem sehr schön.

6-Tage-Programm in und um Hongkong

Tag1 (Ankunft) +2

Das Stadtbild von Hongkong

Ich laufe die Stadt so ab, dass ich ein paar Hongkonger Märkte auf dem Weg abgrase und bin vom ersten Schritt an beeindruckt: Hongkong ist nicht nur groß, es ist auch übersichtlich, einfach zum Orientieren, mit besten Verkehrsverbindungen und sehr freundlichen Menschen. Und die Stadt ist überwiegend sauber. Natürlich gibt es in ein paar Bereichen immer wieder Überbleibsel er nächtlichen Straßenkämpfe, aber das sehe ich nicht als hygienischen Punkt, sondern der politischen Unruhe und dem Kampf um Freiheit geschuldet.

Mich haben die unglaublich vielen Hochhäuser sehr beeindruckt. Vor allem der Kontrast, den hypermoderne Bürotürme neben den alten Wohnhäusern bilden. Richtig krass ist dabei das Erscheinungsbild von einem Juweliergeschäft unten in einem alten, abgeranzten Gebäude. Aber das ist typisch für Hongkong: an der Straße entlang hat man moderne, schicke Geschäfte, während der Rest des Hausen oben drüber mal wieder geputzt werden könnte. Da prangen Rolex und Starbucks in ollen Wohnblock-Buden. Das wirkt schon sehr seltsam. Es kam mir so vor, als ob die Wohnhäuser eher kleine Wohnungen haben, zumindest den kleinen Fenstern nach zu urteilen. Auffällig sind die vielen Klimageräte an den Fassaden, dabei ist Hongkong gar nicht so wahnsinnig warm. Ich habe das Klima mit seinen ziemlich konstanten 22°-28°C als sehr angenehm empfunden, abends ist es sogar recht frisch. Eine Hoodie-Jacke hing also dauernd über meiner Fototasche.

Retro in Hongkong: Die alten Werbeschilder aus Leonleuchten wollte ich unbedingt gesehen haben!

Marktgeschehen in Hongkong: Mong Kok Traditional Market, Reclamation Street, Yau Ma Tei-Market und Ladies Market

Politisches Stadtleben in Hongkong

Als ich nach Central hinüber gefahren bin, um hoch zum Victoria Peak zu gehen, viel mir ein Menschenauflauf an der Ecke Peddar Street auf. Natürlich hatte ich gleich den Verdacht, dass es evt mit der Freiheitsbewegung zu tun hat und bin hin. Offenbar gab es einen verletzten Menschen, denn ein Pulk Presse-Leute filmte in einen RTW hinein, umgeben von Polizisten. Kurz darauf marschierte ein Trupp der HK-Polizei vorbei, natürlich grimmig in die Zuschauer blickend. In meinen Augen eine alberne Machtdemonstration. Ein Mensch, der mit seinem Handy filmte, wurde ziemlich grob von einem Polizisten angemacht. Ich habe trotzdem meine Fotos geschossen. (Mehr zu den Geschehnissen an diversen Abenden meines Aufenthalts siehe mein Beitrag Free Hongkong ).

Auf zum Viktoria Peak

Am späten Nachmittag tuckere ich mit der Peak Tram gemächlich den dicht grün bewachsenen Victoria Hill hoch zum sog. Victoria Peak. Die Fahrt ist echt ein Erlebnis. Ich fand es erstaunlich, dass der Seilzug es schafft, die Tram den wirklich extrem steilen Berg hochzuziehen! Man kann durch das dichte Grün keine guten Blicke auf die Bucht erhaschen, aber das macht nichts – oben angekommen ist das wunderbar möglich. Von der Station aus hat man einen tollen Blick über die Stadt und den Hafen! Allerdings ist der Blick von innen der Station nicht so günstig, und den Preis für die Dachterrasse habe ich auch nicht bezahlt, da man auch neben der Station im freien eine ebenso super Aussichtsmöglichkeit hat. Den Berg kann man dann auch einmal umrunden. Der Victoria Peak Circle Walk hat eine Länge von 3,5 Kilometern. Anfang und Ende ist der Peak Tower. Die Aussichten über Central und den Victoria Harbour sowie das satte Grün der umgebenden Natur sind sehr weit und schön! Ich bin extra spät am Tag hierher, damit ich die großartige Abend-Beleuchtung der Stadt bestaunen kann. Und das hat sich auf jeden Fall gelohnt!
 

Tag 4: Citytour rund um die Central Mid-Levels Escalator

Die Kitschstraße: die “Pottinger Street” ab Queen’s Road Central ist ein Verbindungsstück nur für Fußgänger mit vielen bunten Souvenier- und Spaßartikel-Läden. Als ich in der Vorweihnachtszeit hier durch schlenderte, gab es jede Menge tanzender und singender Tannenbäume und viele weitere witzige Kitsch-Artikel zu entdecken. Ein Stück weiter finde ich die Central Mid-Levels Escalators, eine einmalige Rolltreppenkonstruktion, die die Mid-Levels im Western District und Central verbinden. Hongkong ist ja sehr steilbergig. Die kompletten Rolltreppen sind über 800 Meter lang und überwinden eine Steigung bergauf von 135 Höhenmeter. Sie führen unten von der Des Voeux Road (Central) bis hoch zur Conduit Road. Für eine komplette Rolltreppen-Fahrt benötigt man ca 20-25 Minuten. Ich bin nach 10 Minuten ausgestiegen, es gibt ja noch mehr in Hongkong zu entdecken. Aber die Einrichtung ist schon irgendwie witzig. In den unteren Bereichen neben den Rolltreppen gibt es viele Restaurants und Shops.

Ein Stück weiter gibt es tolle Fotomotive der Hochhäuser wie z.B das Kam Kin Mansion. Von der Bridge Street geht eine Treppe hoch, die allerdings sehr steil und lang ist – ich fand es schon ganz schön anstrengend. Aber die Skyline ist sehr cool als Motiv. Dabei komme ich auch durch Zufall am Man Mo Tempel vorbei und schaue rein.

Ich lande wenig später im Stadtviertel Soho, wo es in der Peel Street viele nette Cafés wie den “Brunch Club” (lecker Frühstück) oder “De Belgie” gibt. Überhaupt gibt es hier einige nette Cafés, die aber auch alle gut besucht sind. Am Abend finde ich überraschend ein paar Buden mit Antiquitäten und Kitschkram.

Tag 6: “Tempel der 10.000 Buddha” (Ten Thousand Buddhas Monastery)

Dieser Tempel könnte auch “Tempel der 10.000 Treppen” heißen, denn der Treppen-Aufstieg mit über 400 Stufen ist bei Sonnenschein zwar schön, aber auch schön anstrengend. Von der MTR “Sha Tin” dackele ich erwartungsvoll los. Die Ausschilderung war offenbar nicht so ganz optimal, denn es gibt zwei Zugangstreppen, was ich vorher nicht wusste. Ich bin bei der Pai Tau Street hoch, was zwar auch geht, aber hier sind erst oben kurz vor dem Tempel die ersten Figuren. Ein Stück weiter ist der richtige Weg mit über 400 Stufen den von unten bis oben Buddha-Figuren an beiden Seiten hat. Das war für mich auch das eigentliche Highlight. Sicherlich sind die vielen tausend Buddha-Figuren (über 12.000) im Tempel selbst, in dem man nicht fotografieren darf, auch toll, aber die unterschiedlichen Gesichtsausdrücke und Körperhaltungen entlang das Auf- bzw Abstiegs fand ich spannender. Von der Plattform des ersten Tempel-Gebäudes führt eine weitere Treppe hinauf zu zwei anderen Gebäuden. Interessanterweise säumen diese Treppe lauter goldene Frauen-Buddha-Figuren. Auch auf der oberen Plattform stehen lauter Frauen-Figuren. So etwas habe ich noch nirgends gesehen.

Tag 7: MTR-Station Sai Wan Ho und die Monster Buildings (Filmkulisse bei “Transformer’s”) in Quarry Bay

Ich düse mit der MTR ans andere Ende auf Hong Kong Island ins Viertel Kornhill zur MTR-Station Sai Wan Ho. Wieso ich runter zum Hafen bin, weiß ich bis heute nicht. Jedenfalls wollte ich zu der MTR-Station, weil ich gehört hatte, dass hier vor der Station in der Shau Kei Wan Road ein junger Mensch, der für die Freiheit gekämpft hat, vom einem Polizisten erschossen worden und angeblich noch eine Markierung des Blutes auf der Straße vorhanden sein soll. Allerdings finde ich nichts außer jede Menge Protestplakate. Die ganze Station ist im wahrsten Sinne zu plakatiert!

Eine Frau spricht mich an, als sie meinen suchenden Blick bemerkt. Ich schaue eigentlich nur, in welche Richtung ich als nächstes laufen will, aber als sie fragt: “Are you searching the transformer’s house?” überlege ich “Kenne ich zwar nich, aber wenn’s hier was zu gucken gibt, na klar” und lasse mir den kurzen Weg erklären.

Das aus dem Film “Transformers” bekannte Monster Building in der King’s Road bei der Tai Koo Station ist zwar enger, als ich erwartet hatte, dennoch riesig und etwas beklemmend. Es besteht aus fünf Gebäudeteilen. an der Straße ist das Oceanic Mansion, nach hinten sind Montane Mansion, Yick Cheong Building und Yick Fat Building.

Foodism in Hongkong

Als kleine Belohnung am Ende des Tages hab ich mir mal eine schräge Kombi gegönnt: Bierchen mit Oreo-Eis. Eine Oreo-Eis kannte ich bis dahin nicht und kann definitiv sagen: mega lecker!

Food auf dem Temple Street Night Market: Viel zu touristisch, massenhaft Menschen, die Preise überteuert und das Essen unverschämt wenig bis unzureichend. Ich hatte ein Gericht mit Hühnchenfleisch bestellt und konnte kein Fleisch ausfindig machen. Auf meine Reklamation hin ging die Frau angepisst weg und brachte kurz darauf meinen Teller unverändert wieder. Das Essen war nun natürlich kalt, das Fleisch hatte ich nicht bekommen. Ja, in Hongkong gibt es auch “unfreundlich” und “unverschämt”!

Das Thai-Kitchen Restaurant: Sehr lecker und mega frisch, ein wenig zu teuer für die kleine Portion.

Das Sham Chai Kee Restaurant: Freundliches Personal, meine Wonton-Suppe lecker, die Preise o.k.

Das Dim Sum Restaurant: Der Tip einer sehr netten Einheimischen war gut gemeint, aber nicht mein Geschmack. Vielleicht hatte ich auch einfach nur Pech bei der Bestellung. Ich hatte versehentlich nur “chicken” gelesen und vor lauter Hunger bestellt… es handelte sich dabei aber um chickenfeet – Hühnerbeine. Eine lokale Delikatesse, die ich leider nicht essen konnte.

Kleine Nachtszenen, nur aus Spaß an der Fotografie


Mein Hotel in Kowloon: (KEINE bezahlte Werbung!): http://rosedale-kowloon.hongkonghotelsandrates.com/de/

https://thetowerinfo.com/monster-building-hong-kong/

https://en.wikipedia.org/wiki/Monster_Building

https://www.erlebe-hongkong.de/temple-of-10000-buddhas-in-hongkong.php

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.