Die Taroko Gorge – Taiwans große Felsschlucht

In Taiwan ist die Taroko Schlucht im Taroko Nationalpark ein einmaliges Natur-Highlight

Ich hatte das Glück, dass ich in meinem Hotel “Double Rainbow” in Hualien einen Flyer für die Taroko Gorge bekam, sodass ich mir in Ruhe alle Sehenswürdigkeiten und Wanderwege angucken und mich über die Busfahrzeiten informieren konnte. Das war auch gut so, denn man kann bei den Shuttle-Bussen zwar in Hop-on-Hop-off-Manier an jeder Station ein- und aussteigen, aber die Busse fahren nur etwa alle 20-40 Min. Das habe ich mit eingeplant, als ich mir meine Trails mit ihrer ungefähren Wanderzeit zusammen stellte.

Schnell war mir klar, dass es in der Taroko Gorge so viele schöne Wanderwege gibt, dass ich gar nicht alles an einem Tag schaffen würde und wollte. Klar war auch, dass ich auf jeden Fall den Shakadang Trail und den Yanzikou-Trail (auch als Swallow Grotto / Swallow Gorge = Schwalben-Schlucht bekannt) ablaufen muss, denn so ein glasklares saphir-blaues Wasser wie beim Shakadang Fluss hatte ich noch nie gesehen, ebensowenig die ausgewaschenen, engen Felswände aus Marmorgestein in der Swallow Grotto. Mir war nämlich vorher gar nicht bekannt, dass das Felsgestein in der Taroko Schlucht fast alles Marmor ist. Daher auch die fantastischen Strukturen und Maserungen in den Felswänden.

Info: Vor dem Hauptbahnhof Hualian steht die orangene Busstation, von wo aus die Shuttle-Busse in die Taroko-Schlucht fahren und wo man innen das Bus-Ticket kauft. Zum Eingang der Taroko-Schlucht dauert die Fahrt ca. 60 Min., zur Endhaltestelle Tianxiang etwa 90 Min. Die Preise der Bus Tickets betragen: 1-Day Pass $250, 2-Days Pass $400.

Shakadang Trail

Der Bus hält kurz hinter der roten Shakadang Brücke. Eine Treppe führt am Anfang der Brücke zum Wanderweg hinunter. Ich hatte mit mehr Besuchern gerechnet, da der Shakadang Trail zu den beliebtesten gehört, aber es hielt sich eigentlich in Grenzen. Der Wanderweg ist etwas mehr als 4 km lang und damit ca 4 Std Laufzeit hin und zurück. Das erste Stück des Trails wirkt so, als hätte man extra eine Rille seitlich in den Berg geritzt, sodass man quasi wie einen ausgehöhlten Gang mit Felsüberdachung hat, was bei der Sonne ganz angenehm ist. Die Strukturen der Marmorfelsen sehen wirklich toll aus und das kristallklare Wasser des Shakadang Flusses scheint wie aus einem Märchen! Der Blick in den klaren, türkisgrünen ist einfach unglaublich! Die ganze Zeit ist man von dicht begrünten Bergen umgeben. Später läuft man direkt neben dem Flussbett, zu dem man an einigen Stellen auch hinunter gehen kann, was den Shakadang Trail romantisch und fast unberührt wirken lässt.

Yanzikou Trail (Swallow Grotto / Swallow Gorge)

Natürlich strömen alle Besucher der Taroko Gorge auch zur Swallow Grotto / Swallow Gorge (Schwalben-Schlucht) des Yanzikou Trails. Jede Menge chinesische Touristenbusse halten an der Straßenbucht am Eingang zur Swallow Grotto. Ein Schwarm Menschen quillt heraus und drängelt sich an den besten Stellen mit Sicht auf dem Fluss, sodass ich teilweise warten muss, um durch eines der großen Felslöcher auf den Fluss schauen und ein Foto machen zu können. Die schräg verlaufenden Linien der Gesteinsmaserungen sind hier besonders gut zu erkennen. Faszinierend finde ich die Aushöhlungen, in denen viele Schwalben brüten sollen, was der Swallow Grotto / Gorge ihren Namen gab. Allerdings habe ich keines der Vögelchen gesehen. Ich kenne aber auch ihre Brutzeit nicht.

Buluowan Trail

Die Station des Buluowan Trail ist hauptsächlich wegen ihrer schönen Terrassen bekannt. Es gibt aber auch kurze Wanderwege, aufgeteilt in je einen Weg Upper Terrace und Lower Terrace. Ich bin die Holztreppe zum Upper Terrace gegangen, von wo aus ich einen beeindruckenden Blick in das Fluss-Tal hatte!

Changchun Shrine Trail (Eternal Spring Shrine)

Das eigentlich gedachte Highlight, der Changchun Shrine, war leider geschlossen. Ich fand es nicht ganz so schlimm, denn der Eternal Spring Shrine Trail hat mehr zu bieten als nur den Changchun Shrine selbst. eine schmale Straße führt hoch zum Changuang Temple, der innen bis auf die goldene Buddha-Wand in seiner Mitte recht schlicht gehalten ist. ein paar Meter rechts vom Tempel führt eine sehr schmale Hängebrücke (Suspension Bridge) über die Tiefe. Zum Glockenturm Bell Tower geht der Weg zwar ganz schön steil hoch, aber es ist schaffbar. Die weite Aussicht, die man vom Bell Tower hat, lohnt den Aufstieg allemal!

Baiyang Trail

Bevor ich mich auf den Baiyang Trail machte, schaute ich mir den Tempel auf der anderen Flusseite an. Der Tempel ist zwar schlicht, aber die Aussicht sehr schön und die kleine Pagode ganz niedlich.

Der Eingang zum Baiyang Trail ist von der Bushaltestelle eine ganze Ecke die Straße hoch, geschätzte 15-20 Minuten, bis man am Tunneleingang und damit zum Trail-Eingang angelangt. Eigentlich müsste der Baiyang Trail irgendetwas mit “Trail of 7 tunnels” oder so heißen, denn immer wieder führen kleine Tunnel durch das Bergmassiv. Hätte ich das gewusst, hätte ich mir eine Taschenlampe mitgenommen. Besonders der Eingang zum Trail ist wohl einzigartig: von der Straße aus führt eine große Tunnelöffnung in und durch den Berg auf den Wanderweg. Der Eingangstunnel ist sehr lang und unbeleuchtet. Das einzige Licht, dass man sieht, ist das von entgegen kommenden Handy-Lichtern und vereinzelten Taschenlampen. Überall sind feuchte und unwegsame Stellen am Boden, man muss schon genau schauen, wo man geht. Auch ich zücke mein Handy und mache die interne Lampe an, die aber nicht besonders weit reicht. Anders als bei den vorangehenden Wanderwegen durch die Taroko Schlucht fühlt man sich hier tiefer in der Landschaft und näher in der Natur. Das Wasser des Liwu-Flusses rauscht grandios unter einem, die hellen Felsgiganten weisen die typischen feinen Marmorlinien auf, in der Ferne sieht man, wie sich zwischen den Bergwänden schmale Wasserfälle seicht ihre Wege in die Tiefe suchen. eine Landschaft wie aus einer Fantasie-Welt. Für mich ist es vielleicht sogar der schönste, weil abwechsungsreichste Wanderweg der Taroko-Schlucht.

Was ich richtig spannend und ein ganz besonderes Highlight für sich fand, kam am Ende des Baiyang-Trails. Dort geht man in den Berg hinein bis zu einer Höhle mit einem Wasserfall, der von irgendeinem Loch im Felsen etwas Licht bekommt. Man muss draußen die Schuhe ausziehen, da man auf einem extrem schmalen Sims neben dem Flüsschen des Wasserfalls geht. Das Wasser überspült den Sims an einigen Stellen, es tropft von den Wänden und ist überall glitschig. Manche Stellen sind so eng, dass keine zwei Menschen aneinander vorbei kommen. Das kann schon etwas schwierig werden, aber es gibt ein paar Felsmulden, in die man sich an die Wand drücken kann, damit es mit dem Passieren passt. Eine tolle Geste finde ich, dass auf der Mauer am Eingang Regencapes liegen, die andere Gäste für weitere Besucher hinterlassen haben. Ich habe mich erst gefragt, von wem diese Regencapes sind, bis ich mit einer netten Französin ins Gespräch kam, die es mir erklärte. Hinterher wieder in meine Socken und Schuhe war etwas unangenehm, weil die Lufttrocknung dann doch etwas dauert, aber dafür ist es ja auch ein kleines Abenteuer gewesen.



Weblinks:

https://www.taroko.gov.tw/en/Tourism/TrailDetail?id=209

https://hualien-adventures.com/attractions/taroko/

https://taiwan-itinerary.blogspot.com/2014/03/Taroko-Hiking.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Taroko-Nationalpark

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