Hualien – Ausgangspunkt zur Taroko Gorge

Hualien bietet sich super an als Ausgangspunkt für Wanderungen durch die Taroko Gorge

Die kleine Stadt Hualien an der Ostküste Taiwans ist zwar nicht sehr groß, aber sehr relaxed und sogar ganz sympathisch. Sie hat ein kleines Fußgänger-Viertel, bietet entlang des breiten Meilin Flussufers idyllische Ruhe, hat einen tollen Nachtmarkt und ist der beste Ausgangspunkt zur Taroko Gorge (Taroko Schlucht) und für fantastische Wanderungen im Taroko Nationalpark.

Für mich war Hualien primär der Übernachtungsort, um von hier aus gut und günstig per Bus zur Taroko Gorge zu kommen. Wie lange ich letztendlich bleiben würde, wollte ich spontan entscheiden, wenn ich Hualien erstmal kennen gelernt habe. Dass ich meine drei Übernachtungen um nochmal zwei verlängern würde, weil ich mich in dieser Stadt wohl fühlte, hätte ich nicht erwartet. Ich hätte aber auch nicht gedacht, dass ich gleich zweimal in die Taroko Gorge fahre. Und dass ich genau zur richtigen Zeit eines Lichterfestes dort sein würde, wusste ich vorher nicht…

Unterkunft in Hualien

Eine Rolle für meine Aufenthaltsverlängerung spielte schonmal meine unglaublich sympathische und ruhig gelegene Unterkunft. Das Hotel Double Rainbow (dies ist keine bezahlte Werbung!) liegt nur ein paar Schritte von der Küste in einer kleinen Seitenstraße. Ich wählte das Zimmer ohne Balkon, dafür mit Blick auf das Meer, was ich morgens sehr schön fand. Ich war begeistert, wie ruhig es war. Das Treppenhaus ist zwar recht geräuschvoll, wenn andere Gäste ihre Zimmertür zuknallen, aber ansonsten habe ich nichts gehört – herrlich für die Erholung nach einer anstrengenden Wanderung. Das Zimmer ist auch unglaublich liebevoll eingerichtet, das Bett wundervoll bequem und das Bad einwandfrei sauber. Bis zum Dongdamen Nachtmarkt läuft man zwar so seine 20 Minuten, aber ich laufe gern, wenn das Guesthouse passt.

Nur wenige Meter vom Hotel Double Rainbow die Straße hoch, in der Lane 69, Beibin Street, ist die Straßenecke und die Treppe sehr schön bunt bemalt mit Meeres-Motiven.

Die Küste von Hualien

Der Strand ist ein Kies-Strand, der nicht sonderlich geeignet ist, um sich mit Badetuch und Bikini auszubreiten. Die Temperaturen sind mit etwa 22°C und einer permanent wehenden Brise für mich auch nicht so das unbedingte Strandwetter. Dafür kann man sehr schön auf der ewig langen Promenade spazieren gehen. Ich habe mir abends gern nochmal eine Bank gesucht und den Tag mit Blick über das Meer revue passieren und ausklingen lassen.

Die Stadt Hualien

Die Stadt Hualien ist noch nicht so alt, und das sieht man ihr auch an. Sehr angenehm finde ich, dass die Stadt nicht in die Höhe gebaut ist und einen ruhigen Kleinstadt-Flair hat. Das Meiste und Wichtigste an Geschäften, Banken, Shops und Restaurants findet man entlang der Hauptstraße Zhongshan Road. Ich habe auch mal das amerikanische Restaurant ausprobiert, das wirklich reichhaltiges und leckeres Essen bei guter Musik in einem richtig tollen Ambiente bietet. Der Verkehr ist sogar abends sehr lässig.

Beim Schlendern durch die Straßen von Hualien biege ich in die große Zhonghua Road ab und entdecke nach ein paar Metern ein wirklich tolles Viertel: von der Dayu Street oder auch der parallel laufenden Yixin Street bis hoch zur Bo’ai Street Ecke Jieyue Street läuft man wie in einer Fußgängerzone. Es gibt niedliche Boutiquen, Spielshops und Cafés. An der Zhongzheng Road findet man abends einige Streetfood-Stände. Über die Zhongzheng Road hinweg geht die schmale Lane 551, Zhongzheng Road bis zur Bo’ai Street Ecke Jieyue Street hoch. Im Fußboden liegen noch die alten Bahnschienen der ersten Railway, die hier früher gefahren ist. Es gibt an der Bo’ai Street Ecke Jieyue Street sogar noch das alte Andreaskreuz mit den Bahnlichtern. Tolle und außergewöhnliche Sache! Man sollte in Hualien eh öfter mal auf den Boden schauen, denn teilweise ist Marmor verwendet worden (Marmor kommt überreichlich vor in der Gegend von Hualien).

Ich schlendere nicht nur gern durch die Straßen einer Stadt, sondern suche sehr gern Parkanlagen oder andere Ruhestätten auf, um zwischendurch mal Luft zu holen und die vielen überwältigenden Reiseerlebnisse sacken zu lassen. Unterwegs darf natürlich ein Kaffee nicht fehlen, und so komme ich auf dem Weg zum Coffee Flash (siehe Café-Hopping) zum Meilun-Fluss und seinem breiten Ufer. Der schmale Fluss Meilun fließt am Rande des Stadtzentrums bis zu seiner Mündung im Hafen-Kai von Hualien. Sein saftig grünes Ufer gleicht einer romantischen Fluss-Aue, der angelegte Weg lädt zum Spaziergang ein. Was für ein ruhiges Idyll mitten in der Stadt! Auf der anderen Seite des Meilun-Fluss sehe ich den Hualien Martyrs’ Shrine. Bei der Linsen Road führt eine Brücke über den Fluss und eine Treppe hoch zum Martyr’s Shrine. Allerdings war er leider geschlossen, als ich da war.

Tempel in Hualien

Auffällig ist, dass es in Hualien, wie auch in ganz Taiwan, besonders viele taoistische Tempel gibt, die ich bisher auf meinen Reisen durch Südostasien so noch nicht gesehen habe. Ich mag sie, da sie zwar auch bunt sind, aber irgendwie voller Geschichten, die in schrillen Figuren dargestellt werden. Schon spannend.

Gleich bei der bunten Straßenecke in der Lane 69, Beibin Street ist der taoistischer Tempel 福天宮, der recht unscheinbar wirkt, aber dennoch interessant ist.

Der taoistische Tempel 花蓮代天府 (leider nur den chinesischen Name gefunden) in der No. 1-36, Mingyi Street hat innen die typischen halbkreisartigen Türöffnungen und eine ungewöhnliche Decke.

Der kleine aber feine Tianhou-Tempel 花蓮慈天宮 befindet sich in der No. 82號, Zhongxiao Street gleich gegenüber des Café Fiore.

Das besondere Highlight: der Lichtpark “Sunshine Electric City Park”

Als ich eines Abends die Hauptstraße Zhongshan Road Richtung Dongdamen Night Market gehe, höre ich rechterhand schöne Klänge und sehe ein großes Lichtobjekt in Form einer Sonnenblume, auf der landschaftliche Szenen zu den Klängen projeziert werden. Neugierig gehe ich zu dem Platz und schaue mir die Vorführung an. Ich weiß zwar nicht, was es zu bedeuten hat, aber als ich durch die große Halle gehe, entdecke ich dahinter auf der ganzen Wiese verteilt ganz viele weitere Kunstobjekte. Einige der Lichtkunst-Objekte konnte man sogar interaktiv nutzen, wie z.b die wie ein blauer Ohrring aussehende Schaukel. Was für ein fantastischer Ort! Mir gefällt das große Areal so gut, dass ich nun jeden Abend durch den Lichtpark spaziere, mir ein Fleckchen zum entspannen suche und den Menschen zuschaue, wie sie ihre Selfies machen und Spaß haben bei und mit den Lichtkunst-Installationen. Später finde ich heraus: Gleich neben dem Gelände des Dongdamen Nachtmarkt befand sich der alte taiwanesischen Bahnhof. Dort wurde der Sunshine Electric City Park mit vielen schönen Licht-Installations-Objekten aufgebaut, sowohl in dem alten Bahnhofsgebäude, als auch auf den Wiesen dahinter. (Ich war 2019 in Hualien. Kürzlich habe ich gelesen, dass es diese Licht-Installationen nicht mehr geben soll. Ich konnte leider nichts über die Hintergründe und den Betreiber herausfinden.)

Hualien Foodigram

Da der Bubble-Tea in Taiwan erfunden wurde, gibt es ihn auch überall. Ich habe ihn das erste Mal in Taipeh probiert und war so positiv angetan, dass ich mir auch hier in Hualien den einen und anderen Becher gekauft habe. Die weichen Kugeln aus Tapiokawurzel brachten mich immer zum Grinsen, da sie mich an Gummibärchen erinnerten.

Café-Hopping in Hualien

Der Horror eines jeden reisenden Backpackers wie mich ist, wenn die Kreditkarte vom Automaten einer Bank im Ausland “gefressen” wird. Erst recht, wenn am Automaten alles nur in chinesisch steht. Warum genau die Karte nicht wieder ausgeworfen werden konnte, ist mir bis heute unklar, ich vermute, dass die recht dick geprägten Buchstaben irgendwo hängen geblieben sind. Aber was soll ich sagen: ich hatte riesiges Glück, denn nach wenigen Minuten kommt eine junge Taiwanesin herein, die ganz gut englisch sprach und so unglaublich hilfsbereit war, bei der Notfall-Hotline der Bank anzurufen, den Fall zu schildern und somit dafür zu sorgen, dass ich meine Karte schon am nächsten Morgen wieder abholen konnte. Das muss ich an dieser Stelle hoch lobenswert sagen: die Taiwanesen sind immer nett und helfen gern! Jedenfalls habe ich als Kaffee-Junkie die Zeit auf der No. 150, Zhongshan Road mit einem sehr leckeren Kaffee beim Cama Café verbracht. Der Kaffee wird ganz in Barista-Manier frisch aufgebrüht, es dauert also einen kleinen Augenblick, der sich aber zu warten lohnt!

Ich wollte nicht einfach nur in Hualien sein, um von hier aus zur Taroko Gorge zu fahren, sondern auch mal einen Tag zur Entschleunigung einlegen, ohne von Highlight zu Highlight zu düsen. Außerdem interessiert es mich, was es an Gebäcke in asiatischen Ländern gibt und wie wie die Kaffees und Kuchen schmecken. Also habe ich mir einige Cafés herausgesucht, die ich in Verbindung mit einer Erkundung der Stadt angelaufen habe. Insgesamt kann ich sagen, dass der Kaffee überall sehr gut war (ich bin bei Kaffee echt Feinschmecker) und die Kuchen hervorragend! Einige Cafés bieten auch herzhaftes Essen an, dass an Nichts fehlen lässt. Am Ende des Tages war ich trotz der Lauferei bis oben hin proppevoll, aber glücklich und zufrieden.

Café Black Whale

Das “Black Whale” bietet im ersten Stock ein schön helles und hippes Ambiente. Am Eingang wird kleines Kunsthandwerk wie z.B ein Wal als Kettenanhänger verkauft.

Café Fiore

Das gemütliche “Fiore” ist nicht sehr groß, dafür hat es herrlich rustikale Gemütlichkeit.

Café Fukuro

Das Angebot für herzhaftes Essen im “Fukuro” hat mich sehr gereizt und es hat sich mehr als gelohnt: vielfältig, lecker, reichhaltig!

Café Seedson

Im Café “Seedson” (gleich gegenüber vom Café Fiore) bekommt man zum Tee ein Tellerchen mit einer Obst-Spalte und Zimt.

Coffee Flash

Das kleine Café “Coffee Flash” ist kein Sitz-Café sondern eigentlich mehr Kaffeerösterei. Sie bieten viele verschiedene Sorten Kaffee an und mahlen ihn selbst, man kann sich aber nicht innen hinein setzten, sondern nur einen Kaffee zum Mitnehmen bekommen. Der schmeckt sehr gut.

Streetfood und Dinner-Lokations

Der Dongdamen Nachtmarkt ist eine Mischung aus Jahrmarkt und Streetfood-Nachtmarkt. Es gibt viele Schießbudenstände mit Spielzeugkram und ganze Bierzelte. Einige Musiker haben sich mit kleinen Boxen an freien Stellen postiert. Das Streetfood ist bunt und von Fisch über Fleisch bis Früchten gibt es alles. Die mit Bierteig ummantelte Bockwurst ist ein Klassiker in Taiwan und gern genommener Snack. Die Kartoffel-Spieße in Spiralform kann man sich schön scharf würzen lassen. Sie schmecken wie Pommes. Ein absolut gigantisches Geschmackserlebnis war für mich die kandierten Tomaten mit schwarzen Oliven – was für eine irre Kombination, was für eine leckere Überraschung! Ich hatte im Flieger nach Taiwan neben einer Taiwanesin gesessen, die mir diesen grandiosen Tipp gegeben hat (Danke Evanliu F.).

Mr Goose (No. 224號, Linsen Road, Hualien City) ist in der ganzen Stadt bekannt für sein zartes Gänsefleisch. Ich hatte es zuvor noch nie gegessen und dachte mir, schlimmstenfalls esse ich nur Gemüse. Aber was soll ich sagen: es hat köstlich geschmeckt!

Im Restaurant/Imbiss 福記手工餛飩 an der Ecke Xingang Street/Datong Street war das Angebot für mich nur anhand der Fotos auszumachen, da alles nur in chinesischen Schriftzeichen deklariert ist. Es überwiegen Wonton-Suppe und Gerichte mit gebratenem Reis. So richtig konkret konnte ich aber nicht viel definieren, also bin ich keine Experimente eingegangen und habe mir eine Gemüsesuppe bestellt, die nicht schlecht war.

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